Die Geschichte der St. Otmarskapelle zu Untersulmetingen

Die Anfänge der Kapelle liegen im Dunkel der Geschichte. Sicher ist nur, dass sie schon lange vor der um 1400 erbauten Burg auf dem Kapellenberg stand. Der Kirchenpatron St. Otmar, der nach seinem Tode 759 vor allem im 8. bis 11. Jahrhundert als Heiliger verehrt wurde, und der von etwa 900 bis 1100 hier herrschende Hochadel von Sulmetingen als vermutlicher Bauherr weisen auf eine frühe Erbauungszeit hin.

Im Bauernkrieg plünderte der aufständische "Baltringer Haufen" am 26. März 1525 die Untersulmetinger Burg und setzte sie in Brand; das Feuer sprang auf die benachbarte Kapelle über und zerstörte auch diese. Die österreichischen Lehensherren Hie-ronymus Roth von Schreckenstein und die durch Kauf nachfolgenden Fugger fanden sich nicht bereit das Geld für den Wiederaufbau der Kapelle aufzubringen; das Verschulden der Bauern für die Zerstörung wurde dabei als Vorwand mitbenutzt.

1595 erwarb Trajan Fugger das dortige Lehen. Noch jung und tatenfroh gedachte er aus seinem Besitz einen Herrensitz zu machen und investierte in knapp zehn Jahren nicht weniger als 26500 Gulden in das Schloss und den Schlossbezirk für damalige Zeiten eine Riesensumme. Dazu zählte auch der Wiederaufbau der Kapelle auf der Grundfläche der früheren. Eine entsprechende Bitte seines Vetters, dem Bischof Jakob Fugger von Konstanz, könnte hierfür möglich und mitentscheidend gewesen sein. Mit dem Kapellenbau begann jedoch der Streit um die Zehnten erneut. Trajan wollte die Kaplaneistelle mit der Herrschaft verbinden, wozu der Kaplan vom bischöflichen Ordinariat weitere Rechte und Vollmachten bekommen musste. Dies geschah auch und im Jahre 1608 wurde der erste Gottesdienst in der Kapelle abgehalten. Zu dieser Zeit wurde von Trajan der hl. Hieronymus als zweiter Kir-chenpatron eingeführt. Dieser war im damallgen Zeitalter des Humanismus als Wahrer der Rechtgläubigkeit gegen die falschen Bibelübersetzer das Ideal der Gegenreformation, der sich der Bauherr verpflichtet fühlte. Mitgespielt hatte wahrscheinlich auch, dass 1538 ein Hieronymus Fugger kinderlos gestorben war und die Verwandtschaft beerbt hatte.

Untersulmetingen kam 1735 durch Kauf endgültig in den Besitz der Benediktinerabtei Ochsenhausen. Als Benedikt Denzel 1737 zu ihrem Abt gewählt wurde, war ihm Sulmetingen keineswegs fremd, denn er war 1723-25 als Klostergeistlicher an der Niederkirch tätig gewesen. So mag ihm der Ort besonders ans Herz gewachsen sein, was ihn bewegt haben mag, bei der grundlegenden Instandsetzung des klösterlichen Besitzes in Ober- und Untersulmetingen (1740-45) für die Abtei schon tätig gewesene hervorragende Künstler zu verdingen, um die 1740-42 erfolgende Erneuerung der Kapelle durchzuführen. Beim Maler Franz Joseph Spiegler und beim Bildhauer Dominikus Hermenegild Herberger trifft dies im Besonderen zu, denn die beiden zählten zu den Hervorragendsten im Lande. Diese beiden schufen im Innern des recht unscheinbaren Gotteshauses ein intimes Juwel des Rokoko zusammen mit den noch beteiligten Handwerkern, wie dem Altarbauer Hans Georg Schopp aus Oberkirchberg, dem ebenfalls von dort kommenden Maler Georg Wilhelm Härle, der den Altar und die Kanzel fasste, dem Stukkator Johannes aus Munderkingen, dem Bauleiter Johann Wiedemann sowie den einheimischen Handwerkern und haben sich damit ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Nach dem Wegzug der Fuggerfamilie 1729 wurde der bisher der gräflichen Familie vorbehaltene Raum über dem Glockenhaus mit einer Wendeltreppe der Bevölkerung zugänglich gemacht. Die an die Kapelle angebaute zweistöckige Kaplanswohnung wurde im Erdgeschoss als Dienstraum der Gemeinde und darüber als Schulraum genutzt.

Im Jahr 1952 wurde ein neues Geläute mit einer Glocke zu Ehren der beiden Kirchenpatronen Hll. Otmar und Hieronymus, einer zu Ehren des Hl. Wendelinus sowie einer Totenglocke angeschafft.

Bei den bisherigen Renovierungen blieb die Rokokoausstattung fast ganz erhalten; die letzte Renovierung fand im Jahre 2000 ihren Abschluss. Seitdem ist die Kapelle wieder ein glänzendes Juwel des geistlichen Rokoko und eine bedeutende Sehenswürdigkeit an der oberschwäbischen Barockstraße. Sie bildet zusammen mit dem benachbarten dreigeschossigen Renaissanceschloss das weithin sichtbare Wahrzeichen von Untersulmetingen.

Beschreibung der Kapelle

In seltener Intimität kommt in der chorlosen Kapelle der mystische, ekstatische und visionäre Geist zum Ausdruck, der aus den räumlichen, offenen, malerischen Formen des Spätbarocks spricht. Der farbig gefasste Stuck erfüllt die Aufgabe, die um-fassten Formen der Fenster und der zwischen ihnen eingelassenen Wandbilder sowie der Deckenfresken in bewegtem Formenspiel mit Kartuschen, Gitterwerk, geflammten Ranken und Blumen zu verbinden. Bedeutende Kunstwerke sind die Schnitzarbeiten am Hochaltar und der Kanzel des Bildhauers Dominikus Hermenegild Herberger und das Altarbild und die Deckenfresken des Malers Franz Joseph Spiegier. Aus der Werkstatt des Letzteren stammen auch die drei stilvollen in die Wände eingelassenen Leinwandbilder. Die vorherige Ortsherrschaft, die Grafen Fugger, verehrten den Hl. Johannes von Nepomuk aufgrund ihrer Beziehungen zu Böhmen in besonderer Weise. Deshalb wollte Spiegier diesem Heiligen ein Gedenken setzen. Dies führte ihn vermutlich zu dem Entschluss, auch die beiden anderen Johannes, den Apostel und den Täufer, darzustellen. Waren doch alle drei Verfechter der Sitten auch gegenüber Macht-habern und dadurch Märtyrer geworden, wenngleich der Apostel durch ein Wunder am Leben blieb.


Wappen des Klosters Ochsenhausen

Mit den beiden Standbildern des Hl. Benedikt und der Hl. Scholastik.! am Hochaltar hat sich die Benediktinerabtei Ochsenhausen als Besitzer der Kapelle ausgewiesen, indem sie die Gründer des Benediktiner- und Benedikterinnenordens als Leitfiguren darstellte. Das Wappen des Klosters Ochsenhausen und seines Abtes Benedikt Denzel mit der Jahreszahl MDCCXLI =1741 ist an der Decke angebracht.

Eine große Besonderheit ist der seit dem Frühjahr 2000 in der Kapelle aufbewahrte Schrein mit einer Reliquie des Hl.Otmar. Der Reliquienschrein ist in einer Mauernische rechts vom Hochaltar zu sehen. Gegenüber, in einer Mauernische links vom Hochaltar steht eine Holzfigur des Hl. Otmar. Bemerkenswert ist auch der Kreuzweg aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Der Hochaltar

Der figurenreiche Hochaltar, den neben den beiden Hauptfiguren des Hl. Benedikt und der Hl. Scholastika Engel und Putten bevölkern, ist der Hohepunkt. In ihm dominiert das Bild, flankiert vom heiligen Geschwisterpaar, deren ausdrucksvolle Gebärdensprache und inbrünstige Hingebung den dort dargestellten Heiligen gilt. Ihre verklärten Blicke gelten den beiden Kirchenpatronen. Die Hll. Benedikt und Scholastika halten Abtsstäbe und Bücher der Ordensregel in Händen. Ihre Ordenskleider sind vergoldet und die vielen tiefgeschnittenen senkrechten Falten lassen die etwas unter Lebensgröße gehaltenen Holzfiguren größer erscheinen. Zu Recht werden sie zu den besten Werken des angesehenen Bildhauers Herberger gezählt.

Die Hll. Benedikt und Scholastika wurden 480 zu Nursia in Italien als Zwillinge geboren. Benedikt fluchtete aus Rom wegen der dortigen Sittenlosigkcit, um als Eremit zu leben. 529 gründete er auf dem Monte Casino ein Kloster, für das er als Abt Ordensregeln schrieb, die richtungsweisend für alle weiteren Ordensgrundun-gen wurden. Seine Schwester Scholastika gründete spater in der Nahe ein Kloster, welches die Wiege des Benediktmermnenordens wurde. Scholastika, die als erste Ordensfrau gilt, starb 542; Benedikt, Grunder des altesten westlichen Monchor-dens, 547 in seinem Kloster. Im Jahre 1964 wurde der Hl. Benedikt 7um Schutzpatron Europas proklamiert.

Im Altaraufsatz beten zwei kniende Engel zum dort in durchbrochener Strahlenglorie erscheinenden Herz-Jesu mit dem Kreuz. Die Herz-Jesu-Verehrung geht auf die Grafin Dorothea Fugger zuruck, die sie vor 1730 in der Kapelle eingeführt hat, und daher der Herz-Jesu-Sonntag bis in unsere Zeit hinein gefeiert worden ist.

Hochaltarbild "Madonna mit den Heiligen Otmar und Hieronymus"

Den beiden Kirchenpatronen, die mit den Widerwärtigkeiten des Eebens zu kämpfen hatten, erscheint die Hl. Jungfrau Maria mit Jesuskind, getragen von einem Engel, als Zeichen der Erlosung. Das Jesuskind hat seine Rechte segnend erhoben. Dominierend ist der asketische, nur mit einem Eendentuch bekleidete Hl. Hieronymus. Dieser wurde um 347 in Dalmatien geboren und ist einer der vier großen lateinischen Kirchenvater. Drei Jahre lang führte er in der Wüste ein Einsiedlerleben, bevor er 379 zum Priester geweiht wurde. Von Papst Damasus 382 nach Rom gerufen, arbeitete er dort, durch seine griechischen und hebräischen Sprachkenntnisse dazu prädestiniert, an einer Revision des lateinischen Bibeltextes, woraus die Vulga-ta hervorging. Durch seine Kritik an Missstanden im romischen Klerus unbeliebt geworden, verließ er Rom und kam 386 nach Bethlehem, wo er am 30. September 420 gestorben sein soll. Der Stein in seiner Rechten ist eines seiner Attribute: mit ihm schlug er sich an die Brust, wenn ihm Versuchung nahte. Ein weiteres Attribut ist der Eowe, der seine Bücher bewacht. Als Wusteneremit soll ihm Hieronymus einen Dorn aus seiner Pranke gezogen haben, wofür er zum Dank als Haustier bei ihm geblieben ist. Putten halten den Kardinalshut, ein Attribut, das von seiner Tätigkeit als papstlicher Berater herrührt. Der Hl. Otmar (siehe Seite 13) ist im Ordenskleid der Benediktiner mit Abtsstab und seinem Attribut, dem Fasschen, dargestellt. Links unten die Bildsignatur: "F. J. Spiegier, Inv.(enit) et Pinxit, 1741" = Franz Joseph Spiegier, entworfen und gemalt, 174l".


"Verehrung des apokalyptischen Lammes"


Vier Älteste mit Weihrauchgefäßen, die anderen in der Ferne nur angedeutet, beten das am erleuchteten Himmel sichtbare Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln an.

"Hieronymus besiegt die ketzerischen Bibelübersetzer"

Im Licht des Auge Gottes, Symbol der Dreifaltigkeit, kniet der Kirchenpatron St. Hieronymus im Messgcwand auf einer Wolke als Sinnbild des himmlischen Reiches. Putten tragen seine Insignien: Bischofsstab, Kardinalshut und die allgemeine Heiligenkrone. Er blickt zu einer weiblichen Gestalt, die mit flammendem Herzen als Zeichen der brennenden Liebe zu Gott und einem Pelikan als Symbol für den Opfertod Christi in ihren Händen, die Personifikation der Liebe als christliche Tugend ist. Hieronymus Liebe galt den von ihm übersetzten heiligen Schriften. In der von einem Engel getragenen, aufgeschlagenen Bibel ist zu lesen: "non addetis adverbum quod vobis loquor" = "fügt nichts zu dem Wort hinzu, das ich euch sage". Ein Putto trompetet den auf einer Terrasse befindlichen falschen Bibelübersetzern die Worte zu: "venite ad iudicium" = "kommt zum Gericht". Der Löwe des Hiero-nymus, dessen Heilung ebenfalls tugendhafter Liebe entsprang, stürzt sich auf die in barocken Kleidern dargestellten Übersetzer. Einer tragt eine Schriftrolle mit der Signatur: "Franc. Josef Spiegier inven.(it) et pinx(it)" = "Franz Josef Spiegier entworfen und gemalt". Am Terrassensockel ballt ein Ketzer vergeblich die Fauste vor einem aufgeschlagenen Buch.

"Vision Johannes' des Evangelisten auf Patmos"

Das Bild setzt die - heute kaum noch vertretene - kirchliche Überlieferung voraus, wonach der Evangelist Johannes mit dem gleichnamigen Apostel und Christi Lieblingsjunger identisch ist, der nicht nur das Johannesevangelium in Ephesus, sondern in der Einsamkeit seiner Verbannung auf der Mittelmeerinsel Patmos auch die Apokalypse, die "Geheime Offenbarung", verfasst habe. Putten, mit Angst und Neugier im Antlitz, halten einen Kelch, aus dem eine Schlange kriecht, was andeutet, dass der Apostel vergiftet werden sollte, aber durch seine Segnung das Gift im Wein entwich. Daneben seine anderen Attribute: Adler für den Evangelisten und geöffnetes Buch für die Apostel. Darüber sitzt der traditionell in grünem Ober- und rotem Untergewand gekleidete Evangelist mit Schreibfeder und seinem Apokalypsebuch in Händen. Das Tintenfass steht auf dem Felsen vor ihm. Er blickt zur Gottesmutter Maria, die ihm als himmlische Frau aus der Apokalypse erscheint: in weißen bis blaulichen Farben als Vision erkennbar, mit einem Fuß auf der Mondsichel stehend, das Haupt mit einem Kranz von zwölf Sternen geschmückt. Ein diagonal sich durchs Bild ziehender Fels trennt die diesseitige von der jenseitigen Sphäre.

"Der heilige Otmar als Zuflucht der Bedrängten"

Der Kirchenpatron St. Otmar (siehe Seite 13) als Benediktiner mit Rauchmantel und Abtsstab wird von einer Wolke, Sinnbild des himmlischen Reiches, aufgenommen. Ein Engel naht ihm mit einer Blumenkrone, dem Siegeskranz des ewigen Eebens. Darauf zeigt die Hl. Agnes mit ihrem Attribut auf dem Arm, einem Eamm, das die Unschuld Otmars bezeugt. Putten tragen Otmars Attribut: ein Fasschen. Der Erzengel Michael im Schlachtgewand stürzt das mit Schlangen ums Haupt verkörperte Böse in die Tiefe. Auf seinem Schwert ist zu lesen: "nev(ari)o et nevas" = "dem Frevler und der Übeltat", womit er auf das Unrecht und die Verleumder hinweisen will. Unten wenden sich Menschen flehend und weinend an ihren Patron.

"Der Heilige Johannes von Nepomuk vor König Wenzel"

Johannes, aus dem böhmischen Dorfe Nepomuk stammend, wurde als Generalvikar der Erzdiözese Prag dort 1393 auf Befehl des Königs Wenzel gefoltert, dann von der Brücke in die Moldau gestürzt und ertränkt, weil er ihm nicht verriet, was seine Gemahlin ihm gebeichtet hatte; deshalb ist er auch Brückenheiliger.

Der König, in eher antikem als mittelalterlichem Gewand mit Königsmantel und Reifkrone, tritt vor Johannes hin und weist mit grimmigem Blick auf die am Boden liegenden Handschellen. Auch das Zepter in seiner Rechten wirkt bedrohlich. Johannes in Kanonikerkleidung mit Soutane, Chorrock und Pelzmozetta trägt in seiner Linken das Birett, die Rechte erhebt er zum Schwur, den Mund fest verschlossen, das Beichtgeheimnis zu wahren. Engel darüber verdeutlichen dies. Der vorderste hält mit der Rechten den Mund verschlossen und die Linke hoch zum Schwur. Der mittlere plaziert den fünften Stern zu dem Kranz über Johannes Haupt, der die fünf Buchstaben repäsentiert von "tacui" = "ich habe geschwiegen". Der hintere Engel hält die Märtyrerpalme in Händen. Die nächtliche Szene zeigt weiter einen bereitstehenden Schergen und einen Jungen im Fackellicht, vorne Kisten und Säcke mit Geld, darauf Bischofsmütze und -stab, bereitliegend für einen Bestechungsversuch des Königs.

Kanzel

Über der Tür der schön geformten Kanzel ist eine große, prächtige Muschel angebracht, die charakteristisch für den Bildhauer Herberger ist. An der Unterseite des Schalldeckels schwebt die Taube des heiligen Geistes; auf ihm tummeln sich Putten, ein Paar davon in zärtlicher Umarmung. Den Abschluss bilden die Gesetzestafeln des Moses mit den Zehn Geboten, Sinnbild des Alten Testaments.


"Johannes der Täufer tauft Jesus im Jordan"


Johannes der Taufer, Vorläufer und Wegbereiter Christi, predigte am Jordan, spendete Bußtaufen und wurde unter Konig Herodes enthauptet. Bildmittelpunkt ist Jesus, seine Arme vor der Brust verschrankt, andachtig nach unten schauend und bis auf ein Lendentuch entkleidet, mit einem Bein im Fluss, mit dem anderen am Ufer kniend - als Zeichen der Demut und Ergebenheit in Gottes Willen. Das Wasser ist so durchscheinend gemalt, dass dessen Fuß, durch die Lichtbrechung optisch verkürzt, erkennbar ist. Daneben der wettergebraunte, dunkelhaarige, mit rotem Umhang und Ziegenfell bekleidete Johannes. Er gießt mit einer Muschel Taufwasser über das Haupt Jesu. In seiner linken Hand sein Attribut: Kreuzstab mit weißer Fahne. Von zwei Engeln halt der vordere, kniend, das Gewand des Himmels bereit. Darüber schwebt die Taube, Symbol des Heiligen Geistes, von der ein Lichtstrahl auf Jesus fallt. Ganz oben schauen, turmartig umschlungen, Putten zu. Am anderen Ufer zusehende Personen, vermutlich die ersten Junger, unter einer Palme.


Der heilige Otmar

Otmar aus Alemanmen wurde in Chur erzogen, dort zum Priester geweiht und Seelsorger im Unterengadin. Um 719 übernahm er auf Bitte des Grafen Waltram von Thurgau zu Arbon die Leitung der etwa 612 vom heiligen Gallus bezogenen Einsiedelei nahe dem Bodensee, die in dessen Besitztum lag. Otmar schuf daraus das blühende und an Besitztumern reiche Kloster Sankt Gallen mit einem Alten-und Krankenhaus, einem Spital für Aussatzige sowie umfangreichen Klosterbauten für über 50 Mönche. Im Jahre 747 führte er, allgemein auch "Vater der Armen" genannt, die Ordensregel des heiligen Benedikt ein und gilt somit als erster Abt dieses Klosters.

Zwei frankische Gaugrafen namens Warin und Rudhard bereicherten sich an in ihrem Machtbereich gelegenem Kirchcnbesitz, wovon auch das Kloster betroffen war. Abt Otmar wandte sich deswegen an Konig Pippin, der dessen Ruckgabe befahl. Da dies nicht befolgt wurde, reiste er erneut zum Konig, wobei ihm grafliche Soldaten auflauerten und ihn gefangennahmen. Um ihn als Abt loszuwerden, klagten sie ihn eines Sittlichkeitsverbrechens an und ließen dies durch einen überredeten Mönch namens Lantbert bezeugen, der spater seinen Meineid widerrief. Trotz Beteuern seiner Unschuld wurde Abt Otmar in der Konigspfalz Bodman am Uberlin-gersee eingekerkert und dem Hungertod überlassen. Einer seiner Klosterbruder fand Wege, ihn mit Essen zu versorgen. Gozbert, spater als Graf des Nibelgaus bezeugt, erwirkte, dass Abt Otmar als Gefangener ihm anvertraut werde. Er brachte ihn auf die Rheininsel Werd bei Stein am Rhein, wo Abt Otmar nach kurzer Zeit am 16. November 759 verstarb und beerdigt wurde.

Zehn Jahre später öffneten Mönche seines Klosters das dortige Grab und fanden seinen Leichnam vollkommen unverwest, brachten ihn auf ein Schiff, entzündeten dort Kerzen und ruderten über den Bodensee zurück. Auf der Überfahrt brach ein mächtiges Unwetter los, doch das Schiff war vor Wellen, Sturm und Regen wie mit einem Zaun umgeben, so dass nicht ein Regentropfen ins Schiff fiel. Sogar die Kerzen verloren ihr helles Licht nicht, bis der Leichnam des Heiligen in der Klosterkirche in seinen Sarkophag gelegt war. Noch ein anderes Wunder ist zu erzählen: An Bord des Schiffes war nur ein kleines Fässchen, auch Lagel genannt, an Wein, das auf der Überfahrt nicht leer wurde, weshalb der Heilige auf Abbildungen als Attribut ein Fässchen trägt.

Über 80 Kirchen und Kapellen zwischen Mainz und Friaul, zwischen Delsberg und Prag wurden im Laufe der Zeit dem Heiligen geweiht. Weil Otmar bittere Verfolgung zu erleiden hatte, wurde er der Tröster der Verleumdeten und Verfolgten. Mancherorts wurde er Patron des Viehs und der Pferde; die Veranlassung hierfür ist unbekannt. Der Heilige gilt als Fürbitter bei Fußleiden, aber auch für kranke Kinder und schwangere Mütter. Am Otmarstag, seinem Todestag, dem 16. November, wurden früher Wasser und Öl für Kranke sowie Kleidchen für Kinder gesegnet. Der Otmarstag war früher ein Merktag, ein bauerlicher Lostag und ein Markttag und manches Brauchtum war mit ihm verbunden. Die Insel Werd und das Kloster St. Gallen sind heute noch bedeutende Wallfahrtsorte zu diesem deutschen Heiligen.


Das Leben und Schaffen der Künstler


Maler Franz Joseph Spiegler (1691-1757)

Er wurde am 5. April 1691 in Wangen im Allgäu geboren. Sein Vater starb schon ein Jahr spater. Seine Mutter heiratete wieder und zwar einen handwerklichen Maler namens Adam Joseph Dollmann. Durch seinen eingeheirateten Nährvater kam Franz Joseph von frühester Jugend an mit der Malerei in Berührung. Dazu war ein Großonkel väterlicherseits der bekannte kurpfälzisch-bayerische Hofmaler Kaspar Sing (1631-1729). So erlernte er den Malerberuf und absolvierte eine Ausbildung bei seinem Großonkel Sing in München. Seit 1727 war er in Riedlingen ansässig, ab 1752 "Beisasse" in Konstanz, wo er am 15. April 1757 verstarb. Er ist neben Karl Stauder dem Jüngeren der wichtigste oberschwäbisch-südwestdeutsche Meister spätbarocker kirchlicher Großmalerei. Sein Hauptwerk sind die Fresken in der Klosterkirche Zwiefalten. In unserer näheren Umgebung haben sich Werke von ihm in der Niederkirch zu Untersulmetingen sowie in Kirchen zu Oberdischingen, Ochsenhausen, Reinstetten und Rißtissen erhalten.


Bildhauer Dominikus Hermenegild Herberger (1694-1760)

Er wurde am 4. August 1694 zu Legau im Allgäu getauft, erlernte das Bildhauerhandwerk und heiratete 1718 nach Dietenheim an der Iller, wo er bis 1741/42 ansässig blieb. 1738 wird die Laupheimer Kanzel von Damian Karl Freiherr von Weiden dem Bildhauer in Dietenheim in Verding gegeben. Für die Otmarskapelle in Untersulmetingen holte noch am 27. März 1741 ein Bote Bildhauerarbeiten dort ab. Danach muss er nach Ochsenhausen verzogen sein, denn am 3. Februar 1742 wird für Gleiches ein Bote von dort entschädigt. Aus seiner Dietenheimer Schaffensperiode blieben in unserer näheren Umgebung Werke in der Pfarrkirche, Friedhofskapelle und im Rathaus zu Dietenheim, in den Pfarrkirchen zu Achstetten, Au an der Iller, Bronnen bei Laupheim, Laupheim, Nasgenstadt und Schwendi sowie in Kapellen zu Betlinshausen und Oberkirchberg erhalten. Für die Abteikirche in seinem neuen Wohnort Ochsenhausen hatte er schon 1741/42 gearbeitet. In der Folgezeit erhielt er von der dortigen Benediktinerabtei weitere Aufträge für deren Abteikirche und Konventsgebäude sowie für die Pfarrkirchen zu Reinstetten, Ober- und Untersulmetingen. Bedeutend ist auch seine 1744/45 erfolgte Ausgestaltung des Bibliotheksaals der Benediktinerabtei zu Wiblingen bei Ulm. Vom Bischof zu Konstanz erhielt er 1748 auf Ansuchen das Prädikat eines Hofbildhauers und Hofbefreiten zuerkannt, worauf er nach Meersburg übersiedelte und um 1751 ins nahe Immenstaad zog, wo er die prächtigen Altäre für Lindau und Radolfszell schuf. Seine Frau verstarb dort 1755, er - nach zweijähriger Bettlägerigkeit - am 12. Mai 1760.


Reliquie des Hl. Otmar